Du willst eigentlich ruhig bleiben – und bist plötzlich laut. Du spürst genau, dass dein Kind gerade Verbindung und deine volle Präsenz braucht – aber innerlich schreit alles in dir: „Ich kann gerade nicht mehr.“ Oder du funktionierst einfach nur noch: machen, organisieren, durchhalten. Und irgendwo in dir sitzt der Gedanke, dass du nicht die Mutter bist, die du eigentlich sein möchtest.
Wenn dir das bekannt vorkommt: Das ist keine Charakterfrage – es ist dein Nervensystem.
Podcast-Episode S2/E1
Dein Nervensystem: Die Grundlage friedvoller Elternschaft
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Weitere InformationenWarum Wissen allein im Alltag nicht reicht
Viele Mütter, die sich mit bedürfnisorientierter, friedvoller Elternschaft beschäftigen, haben schon unglaublich viel gelesen oder gehört – Bücher, Podcasts, Blogartikel. Sie wissen theoretisch so viel über Bindung, Gefühle, Bedürfnisse oder gewaltfreie Kommunikation. Und trotzdem passiert im Alltag immer wieder etwas anderes.
Das liegt nicht daran, dass zu wenig Wissen da ist. Meistens liegt es daran, dass die Reaktion des Nervensystems einfach stärker ist als das, was man sich vorgenommen hat. „Ich weiß eigentlich, dass mein Kind das gerade nicht absichtlich macht, aber ich werde trotzdem so schnell wütend“ – das ist kein Charakterproblem, sondern eine Reaktion des Nervensystems.
Unser Nervensystem entscheidet in Sekundenbruchteilen: Bin ich in dieser Situation gerade sicher oder bin ich bedroht? Nimmt es eine Bedrohung wahr, übernimmt blitzschnell ein altes Reaktionsmuster – ein früheres Überlebensprogramm. Wir sind dann nicht mehr im bewussten, reflektierten Elternmodus, sondern im Überlebensmodus. Das passiert wirklich allen Eltern, auch wenn sie schon viel über Nervensysteme weiß.
Drei Sätze – drei Zustände
Aus meiner Ausbildung zum FREL®-Coach habe ich drei kurze, prägnante Sätze mitgenommen, die schnell Orientierung geben, in welchem Nervensystem-Zustand man gerade steckt:
Ich bin – das ist der Zustand, in dem dein Nervensystem verbunden und reguliert ist. Du bist präsent, kannst dein Kind sehen, wie es gerade ist, und auch dich selbst. Du kannst ruhig reagieren statt zu explodieren und Grenzen setzen, ohne die Verbindung zu verlieren. Sätze wie „Ich sehe, dass du gerade wütend bist“ oder „Ich brauche kurz einen Moment, bevor ich dir antworte“ gelingen in diesem Zustand leichter. Kein perfekter Zustand – aber ein Zustand innerer Stabilität, in dem friedvolle Elternschaft möglich wird.
Ich muss – hier steigt der Stress, der Körper geht in Alarmbereitschaft. Typische Gedanken: „Warum hört hier eigentlich niemand?“ oder „Ich muss immer alles alleine machen.“ Kinder erleben ihre Eltern in diesem Zustand oft als laut, gereizt oder streng – und meistens merkt man selbst gar nicht, wie stark der eigene Körper schon angespannt ist: hochgezogene Schultern, flacher Atem, gereizte Gedanken. Nicht, weil man eine schlechte Mutter ist, sondern weil das Nervensystem im Alarmzustand ist.
Ich kann nicht mehr – dieser Zustand sieht von außen oft ganz anders aus: nicht laut, sondern eher leer. Man funktioniert vielleicht noch, ist aber innerlich weit weg. „Abends bin ich einfach durch. Ich sitze neben meinem Kind, aber innerlich bin ich gar nicht richtig da.“ Auch das ist kein persönliches Versagen, sondern ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers – eine Art Notbremse.
Was sich verändert, wenn du durch die Nervensystembrille schaust
Sobald Familienkonflikte durch diese Brille betrachtet werden, verändert sich etwas Grundlegendes: Statt zu fragen „Was stimmt nicht mit mir?“, lässt sich fragen „Was passiert gerade in meinem Nervensystem?“. Und meistens ergibt dann auch das Verhalten der Kinder plötzlich viel mehr Sinn – denn auch sie haben ein Nervensystem, das je nach Alter noch ziemlich unreif ist. Kinder werden schneller von Reizen und Gefühlen überflutet und brauchen dafür unsere Regulation.
Das nennt sich Co-Regulation – und sie beginnt bei uns selbst. Wer andere Menschen in ihrer Regulation unterstützen möchte, muss selbst in einem regulierten Zustand sein, sonst schaukelt sich alles gegenseitig hoch. Viele Mütter denken, sie müssten einfach geduldiger, konsequenter oder liebevoller sein. Meistens braucht es aber etwas anderes: mehr Regulation. Ein reguliertes Nervensystem kann sich verbinden und anderen Halt geben. Ein überlastetes Nervensystem kann nur überleben.
Genau deshalb beginnt friedvolle Elternschaft nicht bei Erziehungstechniken, sondern bei uns selbst – in unserem Körper, unserer Wahrnehmung, unserer Regulation.
Darauf bauen auch die nächsten Themen dieser Podcast-Staffel auf: warum Konflikte mit Kindern uns manchmal so stark triggern, wie Co-Regulation wirklich funktioniert, wie gewaltfreie Kommunikation Verbindung stärken kann, wie Slow Family und Selbstempathie aus alten Mustern herausführen können, und was der skandinavische Lebensstil dem eigenen Familienleben schenken kann.
Wenn du dich in diesen Zuständen wiedererkennst und dir öfter wünschst, im regulierten „Ich bin“ zu sein: Es gibt einen kostenfreien Minikurs mit kleinen körperorientierten Übungen – kleine Anker für den Alltag, die du immer dann nutzen kannst, wenn du merkst „Ich bin gerade nicht bei mir“. Ganz ohne Druck, ganz ohne Perfektionsanspruch.
Hier geht’s zum Minikurs – für 0 €
Wenn du regelmäßig mit mir in Kontakt bleiben willst: In der Atempause am Freitag teile ich einmal die Woche einen persönlichen Brief mit aktuellen Gedanken und Impulsen für deinen Weg der friedvollen Elternschaft.
Wenn du heute nur eines mitnimmst:
Du bist nicht zu wenig geduldig und nicht zu wenig liebevoll. Dein Nervensystem tut genau das, wofür es gemacht wurde – es schützt dich. Und sobald du anfängst, diese Schutzmechanismen zu verstehen statt sie zu bekämpfen, ebnet sich Schritt für Schritt der Weg zu einem friedvolleren Familienleben.
Weiter geht’s in der nächsten Folge: Dann schauen wir uns gemeinsam ein paar Begriffe aus der Welt des FREL®-Coachings an. Du kannst den Podcast hier abonnieren.
