Der Tag besteht fast nur aus Care-Arbeit. Als Mutter steckt sie zurück, wo es nur geht – und irgendwann, ganz plötzlich und für alle überraschend, explodiert sie doch. Danach kommt die Scham: Das wollte ich doch gar nicht so. Dieses Muster kenne ich aus vielen Erstgesprächen. Am Beispiel einer Mama, die ich hier Sabine nenne (der Name ist geändert), möchte ich zeigen, wie ein ganzheitliches, körperorientiertes Coaching bei einem solchen Anliegen ansetzen kann.
Podcast-Episode S1/E6
Vom Zurückstecken hin zur Lebensfreude: Körperorientiert im FREL®-Coaching
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Weitere InformationenWenn Zurückstecken zum Dauerzustand wird
Sabine ist Mama von drei Kindern – acht, sechs und ein Jahr alt – und gerade in Elternzeit. Ihr Alltag ist geprägt von Care-Arbeit, sie steckt viel zurück und beschreibt selbst, dass sie diesen Zustand „ertragen“ müsse. Gelingt ihr das nicht, wird es irgendwann zu viel: Sie explodiert, ziemlich plötzlich und unvermittelt für ihre Familie. Sie wird schärfer im Ton mit den Kindern und ihrem Partner, als sie es eigentlich möchte. Sabine wünscht sich mehr Ausgeglichenheit und Lebensfreude und fragt sich, ob Erziehen ohne Schimpfen überhaupt geht.
So oder so ähnlich klingen viele Anfragen, die vor Beginn eines Coachings bei mir landen. Was folgt, ist niemals eine Masterlösung, die für jede Mutter passt. In einem ganzheitlichen Coaching erkunden wir immer einen individuellen Weg. Welcher Weg tatsächlich wie gegangen wird, bleibt am Ende immer die Entscheidung der Coachee. Als Coach stelle ich mich in den Dienst dieses Prozesses, begleite die Mutter (oder den Vater) und lenke, wenn überhaupt nur behutsam, mit einer ressourcenorientierten und wertschätzenden Haltung.
Der erste Blick: Ressourcen statt nur Probleme
Zu Beginn geht es erst einmal darum, gemeinsam zu erkunden, wie die geschilderte Situation eingebettet ist: die Rahmenbedingungen, in denen die Familie lebt. Dabei schaue ich gezielt auch nach Ressourcen, die meine Coachee selbst manchmal gar nicht mehr vor Augen hat – zum Beispiel frühere Hobbys oder Aktivitäten, die im Laufe der Elternschaft in den Hintergrund geraten sind. Genau diese, oft verschütteten Ressourcen werden im weiteren Prozess zu wichtigen Bausteinen, sobald sie wieder zugänglich sind.
„Ich muss das aushalten“ – einen Glaubenssatz erkunden
In diesem sanften Aktivierungsprozess taucht oft eine innere Erlaubnisfrage auf. Sabine beschreibt selbst, dass sie zurücksteckt und diesen Zustand ertragen muss. Aber muss sie das wirklich? Seit wann nimmt sie das so wahr? Gibt es jemanden, der ihr das so vermittelt hat – oder ist es eher ein innerer Anteil, der diesen Satz immer wieder einflüstert?
Solche Fragen helfen, einen Glaubenssatz wie diesen erst einmal zu erkunden, statt ihn vorschnell wegzuschieben – und auch zu würdigen, welche stabilisierende Funktion er bisher hatte. Erst danach lohnt sich der nächste Schritt: fantasievoll und ohne Denkverbote eine Alternative zu entwickeln. Wenn es möglich wäre, den Familienalltag so zu gestalten, dass Sabine weniger oder gar nicht zurückstecken müsste – wie würde sich das anfühlen? Was wäre dann möglich?
Eine Alternative erspüren
Auch Sabines Wunsch nach mehr Ausgeglichenheit und Lebensfreude lässt sich genauer erkunden. Am wirkungsvollsten ist das, wenn dabei nicht nur der Verstand, sondern bewusst auch die körperliche Wahrnehmung einbezogen wird. Im FREL®-Coaching nutzen wir dafür das sogenannte SIBAM-Modell: Mit welchen Gefühlen wäre ein Zustand von Ausgeglichenheit und Lebensfreude verbunden? Welche Empfindungen könnte Sabine dabei in ihrem Körper wahrnehmen? Wie wäre ihre Körperhaltung? Gibt es ein inneres Bild, das sich bewusst verankern lässt? Manchmal entsteht daraus sogar eine ganz persönliche Affirmation, die dann auch wesentlich wirksamer ist, als irgendein aufgeschnappter Motivationssatz aus einer Frauenzeitschrift.

Das sind nur einige mögliche Zugänge von vielen Möglichkeiten im ganzheitlichen FREL®-Coaching. Meistens kristallisieren sich im Coaching-Prozess ein oder zwei Lieblingsperspektiven heraus, auf die wir später immer wieder zurückgreifen, wenn sich weitere Herausforderungen zeigen oder eine weitere Ressource verankert werden will.
Abgrenzung und die Sprache des Körpers
Häufig taucht in den Coachings auch das Thema Abgrenzung auf. Grenzen setzen beschäftigt sehr viele Menschen – und auch wenn Sabine vielleicht zunächst das Gefühl hatte, alle anderen würden das besser hinbekommen als sie, kann schon die Klarstellung, dass sie mit dieser Herausforderung nicht allein ist, spürbar entlasten.
Diese Entlastung zeigt sich oft direkt im Körper: Schultern, die sich entspannen, Gesichtszüge, die weicher werden oder auch ein überraschter Ausdruck. An solchen Signalen lässt sich gut anknüpfen – etwa, indem ich sie dazu einlade, für einen Moment genau dort zu verweilen. Durch das ruhige Verweilen dehnt sich das Gefühl von Entspannung in der Regel noch weiter aus. Beobachten kann man das dann zum Beispiel an einem tieferern Atemzug, der beim Ausatmen weitere Anspannung löst.
Durch das Verweilen an verschiedenen Stellen im Prozess ermöglichen wir dem Nervensystem, aus dem aktivierten Kampf-oder-Flucht-Zustand auszusteigen und stattdessen – über Co-Regulation – in einen parasympathischen Zustand zu wechseln, der von Verbundenheit, Sicherheit und Entspannung geprägt ist. Genau von dort aus lassen sich dann viel leichter neue Perspektiven und Lösungen entwickeln.
Diese drei Wege – Ressourcenarbeit, das Erkunden eines Glaubenssatzes und die körperorientierte Arbeit über das SIBAM-Modell – sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was in einem ganzheitlichen Coaching möglich ist. Wenn du spürst, dass dich ein ähnliches Anliegen wie Sabines beschäftigt: In einem kostenfreien Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wie ich dich dabei mit dem FREL®-Coaching unterstützen kann.
Weiter geht’s in der nächsten Folge mit drei weiteren Begriffe aus der Welt des FREL®-Coachings.
