Burnout – Ausgebrannt sein

Das sind harte Worte, aber diese Worte beschreiben auch einen ernsthaften Zustand. Und genau deshalb und wegen der charakteristischen Merkmale, die ich gleich noch erklären werde, ist es mir so wichtig, darüber zu schreiben, vor welcher Gefahr wir Mütter (aber natürlich auch andere Menschen) stehen, wenn wir zu lange, zu sehr über unsere eigenen Grenzen gehen. Denn auch wenn es mit der Absicht geschieht, gut für andere sorgen zu wollen, dürfen wir dabei nicht die eigene Gesundheit aufs Spiel setzen.

Burnout ist ein Phänomen mit Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele, sowohl im Berufs- als auch im Privatleben. Es trifft Männer und Frauen in allen Altersstufen und Berufen. Frauen sind jedoch wesentlich häufiger von Burnout betroffen, häufig wegen der Doppelbelastung von beruflichen und familiären Verpflichtungen. Burnout verläuft schleichend (manchmal sogar über Jahrzehnte) und ist trotzdem durch ganz bestimmte charakteristische Stadien gekennzeichnet, die ich Dir hier erläutern werde.

Da ich hier speziell für Mütter schreibe, habe ich die sonst eher im Arbeitskontext erstellten Beschreibungen der verschiedenen Burnout-Phasen auf das Leben und Erleben von Müttern angepasst.

Einen Hinweis noch vorab

Ein Ausstieg aus dieser Burnout-Spirale ist zwar in jeder Phase möglich, jedoch wird es deutlich schwerer und bedarf eines größeren Aufwands und intensiverer Hilfe, je weiter dieser Prozess vorangeschritten ist. Deshalb ist es mir so wichtig, dass sich alle Mütter der Gefahr des Mama-Burnouts bewusst sind, um möglichst frühzeitig hellhörig werden zu können. Bei sich selbst, aber auch bei Menschen in ihrem Umfeld.

Jetzt reinhören!

Wir starten mit einer kleinen Zeitreise

Burnout wird zwar im Allgemeinen immer als Resultat von zu viel Arbeit angesehen, aber Burnout fängt eigentlich schon viel früher an. Und zwar mit einem hohen Maß an Motivation, mit viel Energie und hohen Erwartungen an sich selbst.
Also reisen wir gedanklich nochmal zurück zu Deiner ersten Schwangerschaft.

Phase 0: Die Vorfreude oder „Das Feuer wird entfacht“

Bevor Du in die neue Lebensphase als Mama eintauchst, gibt es eine Zeit der Vorbereitung und Vorfreude: die Schwangerschaft. Du gehst mit viel Energie und voller Tatendrang an Deine neuen Aufgaben. Bereits jetzt hast Du viele Hoffnungen und Bilder im Kopf, wie alles einmal sein wird. Du idealisierst diesen neuen Lebensabschnitt, ohne dass Du weißt, was da wirklich auf Dich zukommt.

Damit bist Du natürlich nicht allein – so geht es vielen werdenden Müttern bzw. Eltern. Sie wünschen sich vielleicht schon sehr lange ein eigenes Kind und wenn es dann geklappt hat, stützen sie sich voller Elan in die Vorbereitungen für das „neue“ Leben als Familie. Sie wollen alles richtig machen und auf alles vorbereitet sein. Sie investieren viel Zeit und Geld und malen sich das neue Leben in den schönsten Farben aus.

Vielleicht wird diese Vorfreude aber auch nur von außen an Dich herangetragen und Du bist innerlich gar nicht so euphorisch. Aber auch in diesem Fall gibt es hohe Erwartungen an den neuen Lebensabschnitt.

Phase 1: Der Enthusiasmus oder „Es beginnt feurig“

Diese Phase stellt die erste Zeit, nach dem Eintritt in die Familienphase dar, also so ungefähr das erste Lebensjahr Deines Kindes. Das erste Babyjahr ist geprägt von Idealismus und einem enormen Kraftaufwand, den Du für das Mama-Dasein gerne aufwendest. Deine Energiereserven scheinen dabei zunächst unendlich zu sein (die Hormone unterstützen Dich natürlich auch) und Du erlebst beim Versorgen Deines Babys grundsätzlich viel Spaß & Freude. Gefühle der Unentbehrlichkeit, Wichtigkeit und Sinnerfüllung sind weitverbreitet. Eigene Bedürfnisse dagegen geraten in den Hintergrund, was aber in diesem neuen Lebensabschnitt von Dir selbst und auch von Deinem Umfeld als völlig normal angesehen wird.

Als Mutter hast Du in dieser Phase kein Gefühl für die eigene Selbstüberschätzung und die eigenen Grenzen und Du verwendest Deine ganze Lebensenergie für alles, was ansteht. Ein Ausrichten der Antenne nach innen, ein Blick auf die eigenen Bedürfnisse, ist kaum möglich, da der Fokus quasi immer auf Deinem Baby ist. 

Du verleugnest regelrecht Deine eigenen Bedürfnisse und auch den sich vielleicht schon langsam anbahnenden Burnout. Immer länger werdende To-Do-Listen, der Eindruck, nie Zeit zu haben und die Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschungen ist kennzeichnend für diese erste Phase. Du willst doch eine gute Mutter sein und alles schaffen. Fast alle Mütter kennen solche Erfahrungen vor allem eben im ersten Babyjahr. Aber gerade jetzt solltest Du im Idealfall eben schon sensibel sein für die Gefahr, von hier aus immer weiter in den Burnout-Prozess zu gelangen.

Phase 2: Der Realismus oder „Die Flamme brennt“

Während dieser Phase pegelt sich die einstige „Arbeitswut“ ein, der Reiz des Neuen verblasst, die Investition von Energie wird ausgewogener und Du gewinnst ein Gefühl dafür, was realistisch zu schaffen ist. Bei mir war das z.B. der Zeitpunkt, an dem ich aufgehört habe zu bügeln und auch unsere Fenster wurden nicht mehr so regelmäßig geputzt wie früher. Es gab einfach wichtigere Dinge.

Das rechtzeitige „Abspringen“ von Phase 1 und „Umschalten“ auf Normalität ist ganz entscheidend, um ein Burnout zu verhindern. Das Achten auf den Energiehaushalt, das Im-Auge-Behalten der realen Machbarkeit, eine realistische Zeitplanung und das Finden der Balance zwischen Enthusiasmus und Pragmatismus sind bereits wichtige Burnout-Präventionsmaßnahmen.

Wer es in dieser Phase schafft, sich von zu krassen Erwartungen zu lösen und sich Unterstützung für die wichtigen, aber dennoch überfordernden Aufgaben und Herausforderungen zu holen, der wird es wahrscheinlich schaffen, nicht weiter in den Sog des Burnouts hineingezogen zu werden.

Phase 3: Die Stagnation oder „Der Funkenflug wird matter“

Nun machen sich erste Symptome seelischer und körperlicher Beeinträchtigungen bemerkbar. Wenige Erfolge trotz des hohen Einsatzes lassen erste Selbstzweifel aufkommen, z.B. in der ersten Autonomiephase Deines Kindes. „Bin ich eine gute Mutter?“ Als Reaktion auf diese Selbstzweifel wirst Du Deinen Energieeinsatz aber immer noch weiter steigern, negative Gefühle behältst Du für Dich oder verdrängst sie sogar. Gleichzeitig kommt es zur Abwertung von Familienangehörigen oder anderen Müttern, aber auch zum Rückzug.

Die negative Stimmung zeigt sich in Form von Anspannung, Gereiztheit, Müdigkeit und Erschöpfung und sie überträgt sich z.B. auch auf Deinen Partner. Dabei gibt es immer wieder auch Zeiten, in denen es besser ist, aber die sind meist nicht von langer Dauer.

Oft ist diese Phase auch beeinflusst von Veränderungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen, also z.B. der Geburt eines weiteren Kindes oder dem Wiedereinstieg in den Beruf. Je wichtiger und bedeutungsvoller das Ereignis oder die Veränderung für Dich persönlich ist, umso größer ist der dadurch entstehende negative Stress, was wiederum die Gefahr für das Fortschreiten eines Burnouts steigert.

Wenn Du also merkst, dass Du vor einer neuen Herausforderung stehst und das Gefühl hast, dafür eigentlich nicht genügend Ressourcen zu haben, möchte ich Dich ermutigen, Dir Unterstützung zu suchen. Ganz konkret in Deinem Alltag, aber auch auf der mentalen Ebene. In dieser Phase kann Dich z.B. ein Coach sehr gut dabei unterstützen, Deine Prioritäten, Deine Werte und Deine eigenen Erwartungen zu sortieren, damit Du wieder eine realistische Orientierung gewinnst.

Phase 4: Die Frustration oder „Arbeiten auf Sparflamme“

Jetzt setzt sich der Rückzug weiter fort, Du hast nahezu keine Eigeninitiative mehr, und Du musst die letzten Energiereserven mobilisieren, um durch den Tag zu kommen. Du fühlst Dich als Opfer Deiner Umstände. Widerwilligkeit, Ungeduld, Zynismus und Gleichgültigkeit machen sich breit.

Schuldzuweisungen, die sich gegen Dich selbst richten, (Ich bin eine schlechte Mutter.) führen dann zur Depression, während sich Schuldzuweisungen gegen andere in Aggressionen, wie Nörgeln, Pessimismus oder Wutausbrüchen äußern. Du fühlst Dich ausgenutzt und kannst aufkommende Aggressionen nichts mehr viel entgegensetzen. Klagen und Schuldzuweisungen kultivieren aber Deine Opferrolle, anstatt Eigeninitiative zur Veränderung der eigenen Lebensbedingungen zu mobilisieren.

Die seelischen/körperlichen Beschwerden nehmen zu und führen dazu, dass Du nur noch das Notwendigste erledigst. Die nachlassende Belastbarkeit zeigt sich in Mutlosigkeit, Selbstmitleid, Wutausbrüchen und einem angespannten Verhältnis zu Deinen Mitmenschen bzw. der Isolation von ihnen.

Spätestens in dieser Phase solltest Du ärztlichen oder auch therapeutischen Rat einholen. Dein Körper und Deine Psyche senden Dir nicht umsonst solche deutlichen Signale. Und sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche – ganz im Gegenteil.

Phase 5: Die Apathie oder „Die Glut verlischt“

Die Bewegungsrichtung dieser Phase ist Stillstand bzw. Rückwärts, zu erkennen am absoluten Rückzug. Wenn Du hier angekommen bist, dann lässt Du kaum noch jemanden an Dich heran, bist fast schon apathisch und entwickelst auch einen Widerwillen gegen Dich selbst. Minimale Anforderungen kannst Du nur noch notdürftig erfüllen und therapeutische Hilfe ist jetzt unbedingt notwendig, insbesondere wenn Du schon Bewältigungsversuche in Form von Suchtverhalten ausprobiert hast.

Ernsthafte Erkrankungen, Isolation, Leere, Verzweiflung und Sinnlosigkeit erhöhen auch die Suizidgefahr. Es wird also im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlich. Das ist natürlich nichts, was jemand so gewollt hat, sondern ein Zeichen größter Not, wenn Mütter z.B. nicht mehr in der Lage sind, sich verlässlich um ihre Kinder zu kümmern.

Ich hoffe natürlich sehr, dass Du Dich in diesen letztgenannten Beschreibungen nicht wieder erkennst – und sehr wahrscheinlich würdest Du dann auch diesen Artikel nicht mehr lesen. Falls Du aber wirklich das Gefühl hast, schon so schwach am Boden zu liegen, dann nimm unbedingt Kontakt zu einer vertrauten Person auf und sucht gemeinsam nach professioneller therapeutischer Hilfe!! Das ist sehr wichtig, denn aus dieser Phase des Burnouts kann sich niemand alleine befreien!

 

Harte, aber wichtige Wahrheiten

Puhh…. Ich beende jetzt diesen Artikel, in dem ich Dir den gefährlichen Verlauf eines Burnouts erklärt habe mit vielleicht erschreckenden Details. Ich habe das alles nicht zusammengestellt, damit Du Dich noch schlechter fühlst oder Angst davor bekommst. Sondern mir ist es wichtig, dass Du verstehst, dass dieses langsame Reinschlittern in einen Burnout richtig gefährlich werden kann.

Darum:

Sei achtsam für Deine eigenen Warnsignale, sei ehrlich mit Dir und fang jetzt damit an, dem ganzen entgegenzusteuern.

Nimm Hilfe in Anspruch und lass Dich nicht weiter in eine Opferrolle reinsaugen.

Melde Dich gerne bei mir, wenn Du Unterstützung brauchst! Du bist nicht alleine!

Alles Liebe für Dich,

 

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