Dies ist jetzt der zweite Artikel Thema Burnout. Hier findest Du den ersten Artikel „Wie eine Mutter einen Burnout erlebt“

Heute schauen wir uns insgesamt vier Faktoren an, 

Burnout ist mehr als nur Stress und bei uns Müttern kommt noch die ein oder andere Besonderheit hinzu, die man bei Berufstätigen so nicht unbedingt beobachten kann. Für mich sind es vier Faktoren, die in meinen Augen besonders kennzeichnend für einen Mama-Burnout sind bzw. ihn ungünstig beeinflussen.

 

Jetzt reinhören!

Mental Load

Wir starten mit Mental Load. „Was das eigentlich genau?“ fragst Du Dich vielleicht. Aber auch wenn Du den Begriff noch nicht gehört hast, bin ich mir sicher, dass Du weißt, was Mental Load ist! Weil Du es als Mutter täglich erlebst.

Es sind die endlosen ToDo- bzw. ToThink-Listen, die wir Mütter jeden Tag versuchen abzuarbeiten. Manches steht auf einem Papier, für dessen Bearbeitung sich aber auch nur wir Mütter verantwortlich fühlen. Der Rest befindet sich in unseren Köpfen und ist somit für andere unsichtbar. Und wenn eine Sache erledigt ist, kommt schon die nächste Info rein.

So sah das vor ein paar Jahren z.B. bei mir einmal aus:

„Ich bin heute mal einen Tag nicht an der Arbeit, weil ich kaum sprechen kann. Aber denken kann ich ja, und Emails schreiben, und Termine planen, und Post bearbeiten, und Briefe schreiben, der Babysitterin für heute Abend absagen, und kochen, putzen, waschen, Müll rausbringen, Altglas entsorgen, u.v.m. …. Was halt so jeden Tag ansteht oder von gestern und vorgestern und von letzter Woche noch so liegen geblieben ist.“ 

So oder so ähnlich hast Du das wahrscheinlich auch schon mal erlebt oder durchlebst die mentale Belastung der vielen kleinen Dinge vielleicht jeden Tag. Oft versuchen wir das durch Multitasking irgendwie hinzubekommen. Weil Multitasking aber viel Energie kostet ohne dabei bessere Ergebnisse zu erzielen, habe ich drei andere Impulse für Dich, wie Du mit Deinen Mental Load reduzieren kannst.

(1) Nein sagen bzw. Dich abgrenzen

Der beste Weg, Deine ToDo-Liste nicht zu voll werden zu lassen ist: Nein sagen. Nein sagen bedeutet Dich abzugrenzen, nicht für alles und jeden in Deinem Umfeld verfügbar zu sein. Dein Tag hat nur 24 Stunden.

Bsp. Kuchen backen fürs Schulfest und der Rattenschwanz, der da dranhängt (Entscheidung welcher Kuchen, Zutaten besorgen, backen, Kuchen hinbringen, Platte wieder mitnehmen)

„Nein“ ist ein vollständiger Satz. Und falls es Dir schwerfällt, eine Bitte direkt abzulehnen, wenn Du gefragt wirst: Lass Dir Zeit. Sag Deinem Gegenüber, dass Du ihm/ihr Deine Entscheidung am nächsten Tag mitteilst. Überfordere Dich auch nicht, sondern starte mit dem Nein sagen bei Menschen, die Dir nicht so nahestehen. Und:

Ein Nein zu jemand anderem ist immer auch ein Ja zu Dir selbst.

Sei es Dir wert, für Deine Grenzen einzustehen!

Ein zweiter Impuls, um Mental Load in Deinem Kopf zu reduzieren

(2) Konsequentes Delegieren

Das Wichtigste beim Delegieren ist, dass Du nicht nur die Aufgabe sondern auch die Verantwortung dafür an die andere Person delegierst. Denn sonst hast Du in Deinem Kopf immer noch das gleiche Belastungsgefühl. Ich nenne Dir mal ein paar Beispiele:

  • Kochen (Planung, Einkauf)
  • Fußball (Papa zuständig -> dann auch in der WhatsAppGruppe sein)
  • Einladung zum Kindergeburtstag (Termin in den Kalender, Kommunikation mit der anderen Familie, Geschenk besorgen & verpacken, Kind hinbringen, Kind abholen)

Und der letzte Impuls für weniger Mental Load

(3) Dinge auch mal liegen lassen/Dinge von der ToDoListe streichen

Auch wenn es manchmal schwer auszuhalten ist, manchmal tut es gut, Dinge mal liegen zu lassen und stattdessen der Pause den Vorrang zu geben. Besonders bei unseren regelmäßigen/täglichen Routinen. Dann ist der Esstisch eben mal nicht abgewischt – bei der nächsten Mahlzeit fallen sowieso wieder die nächsten Krümmel. Und das saubere Geschirr aus der Spülmaschine kann auch direkt wieder auf den Esstisch wandern, statt vorher in den Schrank gestellt zu werden.

Oft steigern wir unseren Mental Load auch durch unseren Perfektionismus. Aber dazu wird es noch einen eigenen Blogartikel und eine Podcast-Episode geben.

Fehlende Selbstbestimmung

Obwohl Du im bisherigen Leben vielleicht immer recht gut organisiert und eigenständig warst, ändert sich das schlagartig, wenn Du diesem riesigen Berg von Anforderungen als Mutter gegenüberstehst.

Dabei ist weniger die Masse an Aufgaben das Problem, sondern im speziellen die fehlende Selbstbestimmung bei der Erledigung dieser Aufgaben. Denn Du kannst die Dinge einfach nicht mehr so selbstbestimmt angehen, wie Du es früher evtl. im Job gewohnt warst. Ständig drängen sich neue wichtige und dringendere Aufgaben in den Vordergrund, bevor Du mit den bisherigen Aufgaben fertig warst.

Der eigene Perfektionsanspruch in Kombination mit den ständig neuen Aufgaben und Bedürfnissen der Kinder sorgt dafür, dass Du einfach nie fertig wirst. Und dieses Gefühl des Niemals-Fertig- Werdens ist oft sehr ernüchternd und führt zu Frustration und dem Gefühl des Unfähig-Seins.

Dabei ist es einfach nicht zu schaffen, zumindest nicht allein, und es sollte auch gar nicht das Ziel sein, es allen recht zu machen. Denn allen kannst Du es sowieso nie recht machen! Und selbst wenn Du das Gefühl hast, dass Du es doch mal geschafft hast, dann hast Du im Zweifel Dich selbst und Deine eigenen Bedürfnisse vergessen.

Isolation

Vielleicht erinnerst Du Dich an die Beschreibung einer der fortgeschrittenen Burnout-Phasen. Dort hatte ich erzählt, dass Isolation ein Symptom dieser Burnout-Phase ist. Nun kann Isolation aber auch als Auslöser bzw. Beschleuniger wirken.

Als junge Mutter fühlt man sich schon das eine oder andere Mal allein gelassen. Gerade wenn man sich entscheidet, länger als ein Jahr Elternzeit zu nehmen. 

Im ersten Jahr findet man beim reichhaltigen Angebot von Babykursen vielleicht noch Austausch mit anderen Müttern, aber in Zeiten von Corona war noch nicht mal das gegeben. Und spätestens nach einem Jahr bricht dieses Umfeld dann häufig auch wieder zusammen, wenn der Großteil der Mütter wieder in den Beruf zurückgeht und die Kinder zur Tagesmutter oder in die Kita gehen. Durch die enge Taktung des Alltags fehlt dann die Möglichkeit, so wie früher, sich mal regelmäßig für Playdates & Austausch unter den Müttern zu verabreden.

Und dann kann es auch noch sein, dass man in den kurzen Momenten des Austauschs mit Müttern, die Kinder im gleichen Alter haben, recht schnell ins Vergleichen gerät und man so unterschwellig eher in Konkurrenz zueinander tritt, statt sich gegenseitig zu unterstützen. Das kann dann sogar bis hin zum Mombashing gehen, vor dem viele Mütter regelrecht Angst haben („Was denken bloß die anderen von mir?“)

Was vielen Müttern heutzutage fehlt, ist die Unterstützung durch eine Großfamilie, die Nachbarschaft oder den „Klan“. Ein afrikanisches Sprichwort sagt zurecht:

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“

Ich finde, da steckt viel Wahrheit drin: Es ist einerseits für die Kinder wichtig, mehr als nur die Kleinfamilie aus Mama, Papa und vielleicht Geschwisterkindern zu erleben. Aber mindestens genauso wichtig ist dieses „Dorf“ für die Mama (und auch den Papa). Denn dieses „Dorf“ kann sie auf unterschiedlichste Weise unterstützen:

–  mit dem Erfahrungswissen

– Möglichkeit zum Austausch

– ein Gefühl von Zugehörigkeit

– Gemeinschaft

– gegenseitiges Unterstützen in unterschiedlichsten Lebensbereichen.

Und das am besten ohne sich erklären oder rechtfertigen zu müssen und ohne das Gefühl ein Bittsteller zu sein und in jemandes Schuld zu stehen. Unkompliziert, schnell und ohne Aufrechnen.

Ein solches Dorf fällt leider nicht für jede einfach so vom Himmel, wie das in früheren Generationen vielleicht noch eher so war.  Und wenn die blutsverwandete Familie heute aus unterschiedlichen Gründen nicht so zur Verfügung steht, braucht es heute kreative Lösungen. Darüber werde ich auch nochmal ausführlicher in einer Podcast-Episode sprechen.

Wertschätzung

Viele Mütter fühlen sich in ihrem Sein und Tun zu wenig anerkannt und leiden unter dieser mangelnden Wertschätzung. Ja, da liegt gesellschaftlich einiges im Argen:

Das Sorgen für Kinder oder zu pflegende Angehörige, die Arbeit in Haus & Hof ist in der Gesellschaft nicht gut angesehen. Als Mutter mit älteren Kindern nicht einer bezahlten Erwerbsarbeit nachzugehen, wird als ein Defizit-Zustand betrachtet. 

Daraus entsteht oft ein Rechtfertigungsdruck für uns Mütter, und dass obwohl die „Erziehung“ unserer Kinder eigentlich ein gesellschaftlich bedeutender Auftrag ist, der auch im Grundgesetz verankert ist:

§ 6 GG (2): „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“

 

Aber anstatt uns selbst in Anbetracht dieser unersetzlichen „Arbeit“ einen hohen Wert zuzusprechen, hinterfragen wir uns beständig:

  • Bin ich eine gute Mutter?
  • Mache ich alles richtig?
  • Was denken die anderen über mich als Mutter?

 

Aber und das ist auch mein Impuls für Dich an dieser Stelle:

Ich kann mich selbst als Mutter und auch andere Mütter in meinem Umfeld für unser Dasein als Familienmanagerinnen einfach selbst wertschätzen, anstatt darauf zu warten, dass die Gesellschaft sich ändert. Die Arbeit zu Hause kann man in meinen Augen absolut als gleichwertig zur Erwerbsarbeit sehen: Care-Arbeit ist Arbeit!

Und nur weil der eine Partner sich hauptsächlich um die Arbeit zu Hause kümmert, kann der andere Partner überhaupt Vollzeit arbeiten gehen.

Mental Load – fehlende Selbstbestimmung – Isolation – fehlende Wertschätzung

Das sind für mich die vier wichtigsten Faktoren in Bezug auf die Burnoutgefährdung von Müttern.

Ich hoffe, dass ich mit meinen Worten vielleicht das diffuse Gefühl der Erschöpfung und deren Gründe ein bisschen greifbarer machen konnte und lade Dich jetzt ein, diese vier Faktoren für Dich persönlich nochmal zu prüfen. Mit diesen vier Fragen:

 

  • Wie gehst Du mit Deinem Mental Load um?
  • Wie geht es Dir mit der fehlenden Selbstbestimmung als Mutter?
  • Wer gehört zu Deinem Dorf und wer fehlt Dir noch in Deinem Dorf?
  • Welchen Wert gibst Du Dir als Mutter und Familiemanagerin?

Du kannst diese Fragen auch als Gesprächsgrundlage mit Deinem Partner nutzen. So machst Du Dir und Deinem Partner bewusst, was genau Dich im Alltag belastet und ihr könnt gemeinsam Lösungen erarbeiten, damit Du Dich nicht mehr so belastet und einsam fühlen musst und Dein Partner ein besseres Gespür für die Care-Arbeit in eurer Familie bekommt.

Solltest Du nach dem Lesen dieses Artikels das Gefühl haben, das einer oder mehrere Faktoren Dein Leben gerade negativ beeinflussen und Deine Freude am Mama-Sein einschränken, dann nimm gerne Kontakt mit mir auf. Ich kann Dich im Coaching begleiten, eine gesunde Selbstfürsorge für Dich zu entwickeln und Dein Leben als Mutter wieder zu genießen.

Du bist nicht alleine!

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